WC-Abwassereinleitung in NL: Stand der Dinge

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Seit 2009 ist es verboten, Fäkalien von Booten aus ins Wasser einzuleiten. Nur hält sich niemand daran. Das hat sich jetzt geändert. Seeventile können versiegelt- und Fäkalien trotzdem eingeleitet werden. Wie das geht? Die Übersicht

  • Seit 2009 ist es verboten, WC-Abwasser ins Oberflächenwasser Niederländischer Binnengewässer (dazu gehören auch die Wattensee und das IJsselmeer!) einzuleiten. Spül- und Duschwasser darf weiter eingeleitet werden. Seit 2009 ist kein einziges Bußgeld wegen der Einleitung ausgestellt worden. Es ist nahezu unmöglich, die Täter inflagranti zu erwischen
  • Ein neues Gesetzt schreibt nun vor, dass Seeventile, an die ein Fäkalientank oder ein WC direkt angeschlossen sind, im geschlossenen Zustand versiegelt werden müssen. Das Gesetzt ist in Kraft. ABER: Noch gibt es keine Aussagen darüber, wer, wie und wo versiegeln kann. Das soll in einem Gesetz bis zum 1.1.2021 geregelt sein. Dann wird es eine (kurze) Übergangsfrist geben. Man muss damit rechnen, dass Mitte 2021 versiegelt wird
  • Berufsschiffe bis 50 Personen sind von der Regelung ausgenommen. Sie gilt nur für Freizeitboote. Die Regelungen für die Berufsschiffahrt gelten erst ab 50 Personen an Bord. Damit können die meisten Plattbodenschiffe die mit Gästen fahren, weiterhin einleiten
  • Derzeit darf eine Kontrollinstanz jedoch nicht ohne weiteres ohne Zustimmung des Skippers an Bord kommen. Zum 1.1.2021 tritt ein neues Gesetzt in Kraft, das den Zugang zur Überprüfung der Versiegelung erlaubt. Ist nicht versiegelt und kann nicht nachgeweisen werden, dass man auf direktem Weg von außerhalb Niederländischer Binnengewässer kommt, wird ein Bußgeld fällig
  • Neu ist, dass Toilettenwasser sehr wohl eingeleitet werden darf, wenn es zuvor von einer geeigneten Einrichtung an Bord gereinigt wurde. Dazu hat man im Oktober 2019 Grenzwerte festgelegt. Diese muss der Reinigungsapparat in 90 Prozent der Messungen während eines 68-tägigen Prüfzyklusses erfüllen. Eine Prüfinstanz ist bislang noch nicht festgelegt worden, erste Zertifizierer zeigen jedoch Interesse. Auf der Anlage muss die Prüfnummer deutlich sichtbar sein, das Prüfzertifikat muss an Bord mitgeführt werden. Bei der Zulassung wird auch berücksichtigt, dass das Gerät auch drei Wochen ohne Nutzung überstehen muss. Das ist ein Problem für Einrichtungen, die auf biologischer Basis reinigen, da die dafür eingesetzten Bakterien regelmäßige Nahrung benötigen
  • Ein Gerät der Firma Tom Logisch UG, die enteron, wird die geforderten Grenzwerte einhalten können. Allerdings muss dazu nach längerer Nicht-Verwendung mit einem neuen Bakteriensatz (etwa teebeutelgroß) nachgeholfen werden. Das Gerät kostet in der kleinen Version (bis 50 Liter pro Tag) derzeit auf der Boot Düsseldorf (Halle 10, E30) 2.992,- Euro.
  • Neben der Abnahme der Qualität des eingeleiteten Wassers in den Niederlanden muss eine solche Reinigungsanlage auch der erst später in Kraft tretenden Norm ISO 8099-2 entsprechen. Sie regelt technischen Anforderungen im Rahmen der Sportbootdirektive (auch bekannt als CE-Norm), nicht jedoch die Reinheit des eingeleiteten Wassers
  • Da die Niederlande innerhalb von Europa einen Alleingang in dieser Angelegenheit wagen und weil andere Länder mit ähnlichen Richtlinien nachziehen könnten, scheinen potentielle Hersteller zunächst abzuwarten, bevor Geld in die Entwicklung von Reiningungsanlagen investiert wird. Zu groß die Ungewissheit, ob eine einmal entwickelte Reinigungsanlage auch in anderen Ländern gebraucht werden könnte. Außerhalb der Niederlande ist in vielen Ländern entweder ebenfalls das Einleiten verboten oder besteht eine Fäkalientankpflicht. In den Niederlanden gibt es rund 150.000 Schiffe mit WCs an Bord
  • Es bleibt abzuwarten, ob sich in der Kürze der Zeit Anlagen entwickeln, abnehmen und in ausreichender Stückzahl marktkonform fertigen und verbauen lassen, damit rechtzeitig alle Skipper die das wollen, weiterhin ohne Bedenken ihr WC verwenden können

Das meint Stegfunk.de dazu: Natürlich: Wir alle wollen bei schönem Wetter im Wasser um uns herum vom Schiff aus schwimmen gehen, ohne davon krank zu werden. Doch welche Maßnahmen sind dazu geeignet? Der Fäkalientank? Nein, denn die Absaugung funktioniert schlicht nicht ausreichend gut. Also wird letztlich doch wieder eingeleitet. Die Absaugkapazitäten in den Marinas sind zu gering oder funktionieren schlicht nicht. Also kein Verbot? Doch, gerne. Dann aber bitte mit Alternativen. Beispiel: Auf einigen Inseln in Zeeland stehen Toilettenkabinen, die auch genutzt werden. Die Einsicht bei den Bootsleuten ist da, in sauberem Wasser schwimmen möchte jeder.

Das wäre auch ein Modell für Friesland. Denn dort ist das Problem am größten: Starke Nutzung der sehr flachen Gewässer mit entsprechend umfangreicher Einleitung. Marrekriteplätze mit WC, die an den Abwasserkanal angeschlossen sind oder regelmäßig professionell entleert werden, könnten eine gute Alternative sein. So, wie in Zeeland. Dazu müsste dort jedoch massiv in die Infrastruktur investiert werden. Das wollte man offenbar nicht.

Stattdessen hat man den Wassersportler mit überhassteter Gesetzgebung als Zahlmeister auserkoren, der einige Wochenenden und zwei Wochen im Jahr an Bord ist und dabei brav möglichst oft die Hafen WCs nutzt. Und das, während gleichzeitig die Profis von der braunen Flotte 20 Wochen im Jahr mit ahnungslosen Gästen, die einfach gehen, wenn´s drängt, hemmungslos weiter einleiten dürfen. Das ist unerträglich.

Dennoch: Die Investition in ein stromsparendes, nicht allzugroßes Kästchen, das die WC-Abwässer reinigt, wird kaum ein Eigner scheuen. 1500 Euro wären als Obergrenze wohl in Ordnung, denn soviel kostet auch ein Fäkalientank. Dann aber bitte so, dass es auch in anderen Ländern akzeptiert wird und nicht zum Lex-Hollandia verkommt. Umweltschutz bedeutet oftmals liebe Gewohnheiten über Bord zu werfen. Das kommt auch auf die Wassersportler zu. Und die werden das auch tun. Wenn es sinnvoll bleibt.

Übrigens: Die ungeliebten Blaualgen werden durch die neue Regelung nicht weniger werden, es geht nur um Bakterien. Das macht aber auch nichts, denn die Blaualgen kommen hauptsächlich vom Nitrateintrag der Landwirtschaft durch Gülledüngung. Und die will man nicht so recht anpacken. Kurzum: Das Wasser unter den Blaualgen wird durch uns Wassersportler künftig sauberer. Nur schwimmen kann man dann immer noch nicht. Schade.

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