Serie Fahren im Wattenmeer: Teil 4 – Nach Texel

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Das Watt. Wunderschöne Natur, tolle Ziele und eine navigatorische Herausforderung. Die ist aber nicht so schwierig, wie man denken mag. Stegfunk.de startet eine Serie von Tipps und Tricks zum Fahren auf dem Watt

Wer im Watt unterwegs ist, dem begegnen im wesentlichen drei Szenarien bei der Routenplanung:

  1. Auf dem Weg ist immer ausreichend tiefes Wasser vorhanden und man möchte den Strom optimal nutzen
  2. Es ist immer tief genug und man möchte an einer bestimmten Stelle den kenternden Strom nutzen
  3. Auf dem Weg gibt es eine (oder mehrere) Flachs bei denen man zu einer bestimmten Zeit sein muss

Nach Texel, der größten der Niederländischen Watteninseln, gelangt man am einfachsten von Kornwerderzand aus. Auf der gesamten Strecke ist es ausreichend tief, sodass bei der Planung lediglich die optimale Ausnutzung des Stroms ins Gewicht fällt. Dazu möchte man mit ablaufendem Wasser die rund 20 Seemeilen absolvieren.

Warum bei ablaufendem Wasser? Ganz einfach: Die Flut fließt zwischen den Inseln durch die Seegatten ins Watt Richtung Festland. Bei Ebbe ist es umgekehrt. Wenn man nun von Kornwerderzand (Festland) nach Texel möchte, macht man das mit ablaufendem Wasser.  Die Fahrt dauert bei 5 Knoten Fahrt durchs Wasser und im Schnitt 1,5 Knoten Schiebestrom drei Stunden (20/(5+1,5)=3). Die Ebbe läuft etwa 6 Stunden, sodass eine Startzeit zwischen einer und zwei Stunden nach Hochwasser Kornwerderzand ideal ist. Denn so bleibt am Ende noch eine Reserve für unvorhergesehene Umstände, oder es bleibt schlicht Zeit, um mit wenig Wind auch etwas langsamer als die angenommenen 5 Knoten zu segeln.

Die Strecke nach Texel ist simpel und prima betonnt. Quelle: Navionics Webapp

Warum eine Stunde nach Hochwasser? Durch die Massenträgheit läuft der Strom nach Hochwasser noch eine Weile nach. Die Kenterung des Stroms ist also nicht immer genau bei Hoch- oder Niedrigwasser. Da für das Schleusen in Kornwerderzand immer rund eine Stunde veranschlagt werden sollte (an langen Wochenenden und in der Hochsaison auch viel länger!), heißt es ganz simpel bei Hochwasser binnen an der Schleuse zu sein. Angenommen wir wollten am 29. Februar 2020 nach Texel, hieße dies Folgendes (Daten von waterinfo.rws.nl, rechts unten im Bild die Zeit des Hochwassers):

Hochwasser um 12.19 Uhr in Kornwerderzand buiten (also Wattseite). Ideal: Da ist Ausschlafen angesagt

Wenn alles läuft wie geplant, ist man dann gegen 16.30 Uhr auf Texel. Reservieren kann man Liegeplätze dort nicht. Auf der Seite Waddenhavens.nl sieht man jedoch, wie voll es ist. Der Hafen ist an Steuerbord ganz hinten durch. Die Stege sind niedrige Schwimmstege mit kurzen Auslegern. Zum Anlegen, besonders mit hochbordigen Schiffen etwas trickreich. Doch diese Mühe lohnt allemal. Kinder werden den tollen Tidenspielplatz direkt am Hafen lieben, oder die Seehundstation Ecomare. Zum Essen lohnt die Einkehr in die Compagnie direkt am Hafen.

Nur Mut! Die Fahrt nach Texel ist nicht kompliziert. Aufpassen sollte man jedoch bei Westwinden von 6 oder mehr Beaufort. Denn dann bildet sich durch das ablaufende Wasser gegen den Wind eine steile, kabbelige See auf den letzten Meilen vor der Hafeneinfahrt. Die wiederum ist breit und unproblematisch, auf auslaufende Fischer sollte man allerdings achten. Es setzt Strom von der Seite. Das muss man bei der Anfahrt bedenken. Und jetzt: Viel Spaß auf Texel!

 

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