Serie Fahren im Wattenmeer: Teil 3 – Wassertiefe

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Das Watt. Wunderschöne Natur, tolle Ziele und eine navigatorische Herausforderung. Die ist aber nicht so schwierig, wie man denken mag. Stegfunk.de startet eine Serie von Tipps und Tricks zum Fahren auf dem Watt

Die Wassertiefe steht in der Karte, logisch. Doch was, wenn sich der Wasserstand täglich durch Ebbe und Flut zweimal um mehrere Meter ändert? Welche Tiefe ist dann in der Karte angegeben? Die gute Info: Es ist die geringste Wassertiefe angegeben, die man vorausberechnen kann, also beim Druck der Karte kennt. Diese Bezugsgröße nennt sich LAT. Das steht für Lowest Astronomical Tide, also soviel wie der niedrigste, durch den Stand der Gestirne herbeigeführte Wasserstand. Diese Einschränkung bedeutet, dass das Wasser noch niedriger sein kann. Und das geschieht dann durch den Einfluss von Wind und Luftdruck. Da man das aber, anders als die LAT nicht vorausberechnen kann, nimmt man LAT.

In aller Regel wird der Wasserstand auch selten niedriger sein, es kann allerdings vorkommen. Dann nämlich, wenn rund um die äquinoktal Tide in März oder September bei der Springtide mit der größten Amplitude der niedrigste astronomische Wasserstand bei Niedrigwasser erwartet wird und wenn dann gleichzeitig ein Hochdruckgebiet für hohen Luftdruck und östliche Winde sorgt. Denn der Druck der auf die Wasseroberfläche wirkt, verhindert, dass Wasser in gewohnter Menge einströmt. Das Gleiche vermag auch der Wind aus (Süd-)Osten. Dann kann im ungünstigsten Fall schonmal eine sogenannte Windtide von einigen Dezimetern entstehen und der Wasserstand kann unter LAT sinken. Den Einfluss der metereologischen Tide findet man neuerdings auf der Website waterinfo.rws.nl unter dem Punkt „Waterhoogte“. Die rote Kurve zeigt die erwartete Abweichung von der astronomischen Tide, allerdings bezogen auf NAP (s.u.).

Die Wassertiefe ist immer:

Wassertiefe = Kartentiefe + Höhe der Gezeit (evtl. um Windeinfluss korrigiert)

Die Höhe der Gezeit entnimmt man für die Niederlande ebenfalls am einfachsten der Seite waterinfo.rws.nl Eine Einführung in diese Seite gibt es hier.

Verschiedene Bezugshöhen in der Seekarte: LAT und NAP

NAP steht für Normale Amsterdam Peil, also der normale Amsterdamer Pegel. Für ein Land wie die Niederlande war es schon früh sehr wichtig, eine Referenzgröße zu haben, auf den sich Wasserbauwerke beziehen können. Also legte man einen Wert fest. Wer in Amsterdam ins Stadthuis geht, nähe Stopera an der Amstel, der findet dort ein Plexiglasrohr mit einem Strich drauf an dem NAP steht. Übrigens orientiert sich auch unser Normal Null in Deutschland am NAP. Für verschiedene Orte gibt es verschiedene Umrechnungswerte von NAP auf LAT. Im Beispiel West Terschelling sind es 148 cm.

Die entscheidende Info steht links oben im Bild: LAT=NAP-148 cm

Es gilt also, in der Seekarte eine Information zu finden, auf welche Tiefenangabe sie bezogen ist. Seekarten von Gezeitengewässern sind üblicherweise auf LAT bezogen. Karten vom IJsselmeer sind auf IJsselmeer-Winterpegel bezogen, der wiederum auf NAP bezogen ist. Hat man nun eine Angabe zur Höhe der Gezeit in NAP und die Karte bezieht sich auf LAT, muss man umrechnen. Beispiel:

Das Morgenhochwasser am 22. Februar hat eine Höhe mit Windeinfluss von knapp 150 cm

Das Hochwasser ist 150 cm über NAP (rote Kurve) und NAP ist 148 cm über LAT (Angabe aus Gezeitentabelle oben). Die Höhe der Gezeit bezogen auf LAT beträgt also 298 cm. Im Hafen beträgt laut Navionics die Kartentiefe bei LAT 1,40 Meter. Die Wassertiefe ist demnach (WT=KT+HDG) 438 cm bei Hochwasser.

Oder anders: Über ein Flach in der Nähe von West Terschelling könnte man, wenn es nicht mehr als 50 Zentimeter trockenfällt, mit etwas Reserve durchaus mit 2 Metern Tiefgang herüber fahren beim Hochwasser am 22.2. um 9.20 Uhr und ruhigem Wetter, also ohne größere Wellen. (Wassertiefe = Höhe der Gezeit 298 cm – Kartentiefe, weil diese negativ ist, also trockenfällt 50 cm macht 248 cm Wassertiefe.) Die verbleibenden 48 Zentimeter sind die Reserve für Wellen. Manche rechnen auch mit mehr Reserve, das ist letztlich eine Frage der eigenen Risikobereitschaft.

Die trockenfallenden Gebiete sind grün, sind die Tiefenangaben unterstrichen, bedeutet das die Höhe über LAT, die das Gebiet trockenfällt.

Grün bedeutet, dass die Fläche trocken fällt. Unterstrichene Zahen geben die Höhe über LAT an. Hier: Hafen von West Terschelling

Wer in die Geheimnisse des Wattensegelns vor Ort eingeweiht werden möchte, der kann sich hier zum Wattentörn mit mir anmelden. Vielleicht bis bald auf dem Wasser! Anbei eine Übersicht:

Die Wassertiefen im Überblick. Wie immer im Watt mit Seehund…
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