Serie Fahren im Wattenmeer: Teil 1 – Schleusen

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Das Watt. Wunderschöne Natur, tolle Ziele und eine navigatorische Herausforderung. Das ist aber nicht so schwierig, wie man denken mag. Stegfunk.de startet eine Serie von Tipps und Tricks zum fahren auf dem Watt

„Zoet op zout gaar fout“, weiß der Niederländer. „Süss auf Salz geht schief“, wäre die Übersetzung. Während das Thema Schleusen an anderer Stelle auf Stegfunk.de schon erläutert wurde, gibt es hier noch einen Spezialtrick für den Übergang von Süss- auf Salzwasser. Denn damit beginnt zwangsläufig nahezu jeder Trip auf die Wattensee.

Wer eine Weile an einer Schleuse verbringt, der wird immer wieder Manöver sehen, die schief gehen. Woran liegt das? Meistens ist die Verteilung bei der Zweiercrew immer die gleiche: Eine Person steht vorne (und auch wirklich ganz vorne) – nicht klugerweise da, wo das Schiff breiter ist, etwa auf Höhe der Wanten und legt die Vorleine über. Um das tun zu können, muss der Steuermann die Person nahe an die Schleusenwand heranbringen.

Die Folge: Ist die Vorleine übergelegt, steht das Heck weit weg von der Mauer. Der Steuermann hat keine Chance, die Achterleine überzulegen. Sicher nicht, wenn auf dem Vordeck zudem die Leine kurzstag gehalten wird. Steht nun der Wind in die Schleuse von achtern, das ist sogar wahrscheinlich, weil dort ja das Tor offen steht, wird das Heck immer weiter von der Wand weg gedreht. Mit den zu beobachtenden Folgen. Die Lösung: Erst die Achterleine überlegen, am Heck abfendern und um den Fender das Schiff an die Wand drehen. Weht der Wind von achtern, erledigt der die Arbeit. Kommt er von vorne, muss die im Vorwärtsgang eingekuppelte Maschine die Arbeit tun.

Schleust man nun von Süss- auf Salzwasser, steht zudem eine Strömung in die Kammer hinein. Wieso? Öffnet sich das Tor an der Süsswasserseite, steht die Kammer voll mit Salzwasser. Dieses hat eine höhere Dichte, als das Süsswasser. Die Folge: Es sackt nach unten weg unter der Oberfläche aus der Kammer hinaus. Um das auszugleichen, läuft an der Oberfläche Süsswasser in die Kammer hinein, eine Strömung entsteht. Daher ist jeder Steuermann gut beraten, zuerst die Achterleine festzulegen. Denn dann arbeitet die Strömung für einen: Sie dreht das Schiff mit dem Bug wie von Geisterhand an die Wand heran. Die Strömung hat übrigens zumeist einen stärkeren Einfluss auf das Schiff als der Wind. Viele Kammern sind zur Oberfläche versenkt konstruiert, sodass sie relativ gut vor dem Wind geschützt sind. Außer eben, der weht von achtern durch das offene Tor in die Kammer. Aber auch dann ist die Vorgehensweise die gleiche: Achterleine zuerst!

Schematische Darstellung der Strömungen in der Schleuse. Skizze: A. Worms

Natürlich bitte beim Schleusenvorgang die Leinen auf Slip nehmen! Viel Spaß auf dem ab sofort entspannten Weg ins Watt!

 

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