Das Ding mit der Sprache – Borrelen

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Es ist Freitag, da trifft man sich in den Niederlanden nachmittags zum „Borrel“. Das heißt zwar offiziell übersetzt nur „Getränk“, aber es ist so viel mehr. Das „Borrelen“ hält die Nation zusammen

Nachbarn treffen sich, Familien, Kollegen. Man sitzt zusammen und bespricht, was wichtig ist. Und das andere auch. „Bijkletsen“, das heißt soviel wie endlich nochmal in Ruhe über alles quatschen. Damit man irgendwann endlich alle Themen beigearbeitet hat. Herrlich. Dabei ein „Borrel“. Gerne ein Weinchen, gerne weiß, im Sommer auch Rosé, oder ein Bier. Und ein Schnäppschen. „Een Jonge“ (Genever) passt da gut, eiskalt. Es redet sich dann irgendwie leichter.

Um das Ganze länger durchzuhalten, kommen „Borrelhapjes“ hinzu. Das können Bitterballen sein, frittierte Panadekugeln mit einer Füllung, die hartnäckigen Gerüchten zufolge auch Fleisch enthält. Oder eine „Bittergarnituur“. Das ist eine Platte mit Käse und Wurststückchen drauf. Und: Senf. Für den Käse. Klingt seltsam? Ist es nicht. Einfach mal probieren.

Das „Borrelen“ geht quer durchs Land, durch Schichten, durch Nachbarschaften. Es ist meist eher spontan, aber doch irgendwie ritualisiert. Es geht keineswegs um ein Saufgelage, wir sind ja nicht in England, es geht um die Gemütlichkeit. „Kom even zitten“, los, setz dich zu uns. Man kommt, man geht, man quatscht. Und irgendwann löst sich die Runde auf. Bis zur nächsten Woche.

In vielen Unternehmen hat sich am Freitag auch der „Snackbardag“ etabliert. Einer holt für alle, was holländische Friteusen so hergeben. Auch das ist gemütlich. Wer jetzt denkt, vor lauter Gemütlichkeit käme die Arbeit zu kurz, der irrt. Denn beim „Borrel“, genau wie beim „Snackbardag“ wird durchaus auch über die Arbeit gesprochen. Und nachher wird weiter getan, was vor dem Wochenende fertig sein soll. Aber dann eben etwas beschwingter. Oder man hat seine Arbeit vor dem „Borrel“ erledigt und startet guten Mutes ins Wochenende.

Ein tolle Sache, so ein „Borrel“. Probeiren sie es doch mal aus. Zuhause oder in Holland. Ach ja, eine wichtige Vokabel gilt es vorher noch zu lernen: „Prost!“. Das heißt auf Deutsch soviel wie: Prost!

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