Corona und der Wassersport in Holland – Stand der Dinge

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Es ist die Frage, die derzeit wohl die meisten Wassersportler beschäftigt, natürlich nach der Gesundheit der Familie und der Frage nach der wirtschaftlichen Zukunft: Wann kann ich zum Boot. Für Holland gilt: Jetzt! – Eigentlich….

Stegfunk.de wird an dieser Stelle, neben den aktuellen Regelungen die ausschließlich den Wassersport und die Befahrbarkeit der Gewässer betreffen, den Stand der Dinge in den Niederlanden dokumentieren. Derzeit (26. März 22 Uhr) gilt:

  • Es gibt keine Ausgangssperre. Allerdings ist die Bildung von Gruppen mit mehr als drei Menschen außerhalb der eigenen Familie bis zum 1. Juni nicht angeraten und mancherorts verboten, teils unter Strafe. Auch müssen die Menschen einen Abstand von mindestens 1,5 Meter zueinander einhalten. Besser seien jedoch zwei oder sogar mehr Meter. Diese regelungen werden am 6. April neu bewertet
  • Die Betreiber von Häfen und Winterlagerbetrieben müssen sicherstellen, dass diese Vorgabe eingehalten wird. Dazu haben viele Betriebe Maßnahmenpakete geschnürt. Nur telefonisch erreichbare Hafenbüros, geschlossene Sanitäreinrichtungen, Zeitspannen, in denen an den Booten im Winterlager gearbeitet werden darf oder auch Kranarbeiten nur ohne Beisein des Eigners. Viele Häfen haben die Liegeplatzinhaber über die Maßnahmen informiert. Sollte das noch nicht geschehen sein, unbedingt telefonisch oder per Mail Kontakt aufnehmen, bevor man hinfährt. Eine rechtliche Grundlage, den Besuch am eigenen Schiff im Winterlager zu verbieten, gibt es nicht
  • Viele Häfen sind für Passanten geschlossen. So zum Beispiel der Compagnieshaven in Enkhuizen oder die Häfen auf den Watteninseln. Wenn das eigene Schiff also im Wasser liegt, kann vielleicht nur der eigene Liegeplatz genutzt werden. Fahren mit dem Boot ist jedoch generell erlaubt, die Fahrwasser sind wegen der Berufsschiffahrt offen
  • Halten sich die Häfen nicht an die Vorgaben, sind die Bürgermeister befugt, die Häfen zu schließen
  • Wassersportvereinigungen sind generell geschlossen. Nur kommerzielle Häfen sind offen
  • Es ist weiterhin möglich zu Chartern, wenn an Bord Menschen aus dem gleichen Haushalt sind. Allerdings muss unterwegs sichergestellt werden, dass die Regeln zu jeder Zeit eingehalten werden, also 1,5 Meter Abstand zu Menschen außerhalb der Haushaltsgemeinschaft an Bord aufrechterhalten bleiben
  • Für Servicebetriebe gilt ebenfalls das Postulat der anderthalb Meter Abstand
  • Den Wassersportläden rät der Brancheverband Hiswa-Recron dazu, nur einen Kunden je 10 Quadratmeter Fläche herein zu lassen, wieder um den Mindestabstand zu gewährleisten
  • Es kann weiter gekrant werden, allerdings sollte dabei der Mindestanstand eingehalten werden
  • Deutschland rät nur wirklich notwendige Reisen durchzuführen, besonders ins Ausland. Dieser Rat ist nicht rechtlich bindend, es drohen also keine Strafen, wenn man dennoch in die Niederlande reist. Auch dort gibt es keine Reiseverbote

Was also tun: Hinfahren oder daheim bleiben? In den Niederlanden, rufen Prominente im Radio dazu auf, daheim zu bleiben. Das Gleiche taten unlängst König und Premierminister. Die Niederlande haben etwa 7,5 Intensivbetten pro 100.000 Einwohner, in Deutschland sind es 15. Will sagen: Das Gesundheitssystem stößt dort eher an seine Grenzen, als in hierzulande. Und auch wenn eine schnelle Ansteckung möglichst vieler Menschen in den Niederlanden diskutiert wird, kann es das nicht sein, was wir ernsthaft wollen. Zu viele Tote wären die Folge. Und das ist doch der Kernpunkt: Es stehen Menschenleben auf dem Spiel. Egal, ob diese Menschen ohnehin sterben würden, auch ohne Corona. Es geht darum, wie unser Verhalten als Gäste der Niederlande dort wahrgenommen wird. Sorgloses Wassersporten ist in diesem Umfeld nicht möglich. Die Vorsaison scheint bereits jetzt verloren. Werden die Regelungen konsequent eingehalten, dann ist hoffentlich der Sommer, immer noch unter Auflagen, zu retten, auch wenn die Maßnahmen hauptsächlich auf eine Abflachung der Infektionskurve und damit Verlängerung der Maßnahmen abzielen. Experten hoffen mit schnelleren Tests und den richtigen Medikamenten schnelle Antworten auf das Virus zu finden. Und bis dahin müssen wir einfach der Tatsache ins Auge sehen, dass Wassersport eben nicht akut lebensnotwendig ist. Auch wenn sich das gerade völlig anders anfühlt.

Eine Bitte: Rein finanziell ist die Krise auch für Häfen, Winterlager und Restaurants eine große Herausforderung. Denken Sie darüber nach, ob sie mit den Betreibern über eine Kompensation der Hafengebühren überhaupt reden wollen, oder ob die Gebühren nicht eher eine Investition in auch zukünftig gute Zeiten im Hafen sind. Gleiches gilt für die zeitliche Verlegung eines Charterurlaubs. Planen sie den Urlaub im Heimatrevier, das braucht Unterstützung. Geben sie das Geld, was sie am Saisonanfang nicht ausgeben, weil sie zuhause bleiben, später im Jahr aus. Ein- oder dremial öfter ins Lieblingsrestaurant. Warum nicht einen gemütlichen Nachsaisontörn spät in der Saison planen und so den Vercharterer, dem die Vorsaison weggebrochen ist unterstützen? Das hilft dort sehr. Kurzum: Seien Sie solidarisch mit den Betrieben, die ihnen immer eine gute Zeit ermöglicht haben und denen genau das gerade enorm erschwert ist. Danke.

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